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Berufe bei Gericht: Justizfachwirt(in)

Justizfachwirtanwärter/-innen Einstellungsjahr 2011
Aufgaben

Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte sind als Beamtinnen und Beamte (Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt der Fachrichtung Justiz) bei Gerichten und Staatsanwaltschaften tätig. Ihre Tätigkeit ist vielseitig und verantwortungsvoll.

Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte nehmen büroorganisatorische, verwaltende und rechtsanwendende Aufgaben wahr und sind überwiegend in Serviceeinheiten in den Fachgebieten Strafrecht, Zivilrecht, Nachlass, Insolvenzen, Zwangsvollstreckung, Familienrecht, Grundbuch, Register, Vormundschaft und Betreuungen bzw. in verwaltungs-, arbeits-, finanz- oder sozialgerichtlichen Verfahren tätig.

Sie sind darüber hinaus auch Ansprechpartner für ratsuchende Bürgerinnen und Bürger und berücksichtigen deren besondere Situation und Interessen.

Zu ihren Aufgaben, die sie mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechniken durchführen, gehören u. a.

  • Aktenverwaltung
  • Anordnung von Zustellungen und Ladungen
  • Fertigung von Schriftstücken
  • Aufnahme von Anträgen, Rechtsmitteln, Rechtsbehelfen und Erklärungen
  • Verwaltung der gerichtlichen Zahlstelle und
  • Protokollführung bei Gerichtsverhandlungen.

Der Zuständigkeitsbereich der Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte in der Serviceeinheit umfasst daneben auch Tätigkeiten, die weitreichende eigene Entscheidungen und eine selbstständige Sachbearbeitung erfordern wie z. B.

  • Erteilung von vollstreckbaren Ausfertigungen von Urteilen und gerichtlichen Vergleichen
  • Berechnung und Festsetzung der Entschädigung für Zeugen und Sachverständige
  • Festsetzung der Vergütung aus der Staatskasse
  • Berechnung von Reisekosten sowie
  • Berechnung und Einziehung von Gerichtskosten.

Diese Aufzählung der Aufgaben ist nicht vollständig. Sie macht aber deutlich, dass die Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte eine wichtige Kontaktstelle zwischen Bürger und Justiz darstellen. Von ihrem Geschick hängt es in vielen Fällen ab, ob die Justiz ihre Aufgaben erfüllen kann und die Bevölkerung, wenn sie mit der Justiz zu tun hat, in ihren berechtigten Erwartungen nicht enttäuscht wird.

Der Beruf erfordert deshalb neben vielseitigen Fachkenntnissen auch Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft, Sorgfalt und - wegen des steten Umgangs mit dem Publikum - ein gutes Einfühlungsvermögen.

Zulassungsvoraussetzungen

Zur Ausbildung kann zugelassen werden, wer
  • einen Realschulabschluss hat
  • einen Hauptschulabschluss besitzt und eine für die Laufbahn förderliche Berufsausbildung oder eine Ausbildung in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis absolviert hat oder
  • einen als gleichwertig anerkannten Bildungsstand nachweist.
  • Grundkenntnisse im Tastschreiben, im Betriebssystem Windows und im Textverarbeitungsprogramm Word sind hilfreich.

Des Weiteren ist Voraussetzung, dass das 40. Lebensjahr nicht überschritten ist. Für bestimmte Personengruppen (schwerbehinderte Menschen; Menschen, die Angehörige betreut haben; Fälle nach § 9 und § 7 Abs. 6 Soldatenversorgungsgesetz) gibt es Ausnahmen von dieser Altersgrenze.

Schwerbehinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt.

Ausbildung

Die Ausbildung dauert zwei Jahre und 6 Monate und beginnt am 1. September eines jeden Jahres. Sie gliedert sich in fünf Abschnitte:

  • Praxis I - 4 Monate
  • Lehrgang I - 4 Monate
  • Praxis II - 10 Monate
  • Lehrgang II - 4 Monate
  • Praxis III - 8 Monate

Die Praxisabschnitte finden in besonderen Ausbildungsgerichten - i. d. R. Amtsgerichten - statt, die von den Oberlandesgerichten bestimmt werden.
Dort durchlaufen die Anwärterinnen und Anwärter verschiedene Abteilungen des Amtsgerichts, wobei einige Abschnitte der Staatsanwaltschaft und dem Landgericht zugeordnet sind. Anwärterinnen und Anwärter, die von einem Verwaltungsgericht, Arbeitsgericht, Finanzgericht oder Sozialgericht eingestellt wurden, leisten in der jeweiligen Fachgerichtsbarkeit eine 4-wöchige Ausbildung ab.

Die praktische Ausbildung am Arbeitsplatz wird durch eine Arbeitsgemeinschaft begleitet, die i. d. R. einmal wöchentlich zentral bei einem Amts- oder Landgericht stattfindet.

Der erste Praxisabschnitt beginnt mit einer fünftägigen Einführung beim Ausbildungsgericht. Daran schließt sich ein ca. 3 Wochen dauernder Unterrichtsblock an, der wiederum beim Landgericht zentral organisiert wird. Dort wird erstes Grundlagenwissen vermittelt und mit dem Erlernen des Schreibens auf einer Tastatur (Zehn-Finger-Tastschreiben) begonnen. Danach folgt eine dreimonatige praktische Ausbildung im Ausbildungsgericht.

Die theoretischen Kenntnisse und die darauf aufbauenden berufspraktischen Fertigkeiten werden schwerpunktmäßig in den Lehrgängen I und II vermittelt. Neben fachlichen und beamtenrechtlichen Inhalten werden dort auch Schlüsselqualifikationen wie z. B. Kommunikations- und Präsentationstechniken gelehrt. Der Unterricht findet i. d. R. drei Doppelstunden täglich und gelegentlich nachmittags statt. Während der Praxis II und III wird dann das Wissen aus den Lehrgängen angewendet und vertieft. EDV-Schulungen begleiten die praktische Ausbildung. Auch die Schreibfähigkeiten an der Tastatur werden weiter gefördert.

Prüfungen

Zu Beginn der Praxis II findet eine schriftliche Zwischenprüfung statt, die Auskunft darüber geben soll, ob der zum Zeitpunkt der Zwischenprüfung vorgesehene Ausbildungsstand erreicht ist. Neben drei Aufsichtsarbeiten ist ein Tastschreibnachweis zu fertigen.

Am Ende des fünften Ausbildungsabschnitts (Praxis III) findet die Laufbahnprüfung statt, die aus einem schriftlichen Teil mit 5 Aufsichtsarbeiten und einem mündlichen Teil in Form einer fallbezogenen Rechtsanwendung besteht.

Die Absolventinnen und Absolventen mit bestandener Prüfung sind berechtigt, die Berufsbezeichnung "Justizfachwirtin/Justizfachwirt" zu führen.

Laufbahn und Besoldung

Während der Ausbildung (Vorbereitungsdienst) sind die Anwärterinnen und Anwärter Beamtinnen und Beamte auf Widerruf. Sie erhalten in dieser Zeit Anwärterbezüge i. H. v. ca. 1.109,04 € (Stand: Juni 2018). Verheiratete erhalten einen Zuschlag. Die Anwärterbezüge sind zu versteuern, es brauchen aber keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt zu werden. Bei Krankheit erhalten die An­wärterinnen und Anwärter wie alle Beamtinnen und Beamte eine Beihilfe, die die entstehenden Kosten zu einem Teil z. B. bei Ledigen 50 % deckt; der restliche Teil muss selbst krankenversichert werden.

Nach Ableistung des Vorbereitungsdienstes und bestandener Prüfung endet das Beamtenverhältnis auf Widerruf. Sofern eine Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe erfolgt, erhalten die Absolventinnen und Absolventen die Dienstbezeichnung „Justizsekretärin" oder „Justizsekretär". Ein Rechtsanspruch auf Übernahme besteht jedoch nicht.

Nach einer Probezeit von in der Regel drei Jahren folgt die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit. Beförderungen bis zur Justizamtsinspektorin oder zum Justizamtsinspektor sind möglich.

Die Höhe der Besoldung ist im Niedersächsischen Besoldungsgesetz festgelegt. Zur Laufbahn der Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte gehören die Besoldungsgruppen A 6 bis A 9 mit Amtszulage.

Ihre Bewerbung

richten Sie bis zum 30. November 2017 an das Oberlandesgericht Braunschweig, Bankplatz 6, 38100 Braunschweig oder per E-Mail an OLGBS-Bewerbungen-Justizfachwirt@justiz.niedersachsen.de.

Ansprechpartnerin:
Frau Hager (Telefon 0531 488-2402) oder Frau Hartmann (Telefon 0531 488-2513)

Der Bewerbung sollen folgende Unterlagen beigefügt werden:

  • ein Bewerbungsanschreiben,
  • ein tabellarischer Lebenslauf,
  • das letzte Schulzeugnis (Ablichtung),
  • ggf. Zeugnisse über Beschäftigungen seit der Schulentlassung,
  • ggf. Nachweis über Kenntnisse im Tastschreiben (Zehn-Finger-System),
  • Formblatt "Mehrfachbewerbungen bei Gerichten im Land Niedersachsen".

Das Formblatt "Mehrfachbewerbungen bei Gerichten im Land Niedersachsen" finden Sie hier.

Sofern die Bewerbung per E-Mail übersandt wird, sind die Unterlagen als PDF-Dokument zu speichern und als Datenanhang der E-Mail beizufügen.

Wer einen Eingliederungs- bzw. Zulassungsschein in Anspruch nehmen kann, wendet sich bitte zunächst an die zuständige Vormerkstelle.

Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund sind erwünscht und willkommen.

Falls Sie sich für eine Bewerbung bei einer anderen Einstellungsbehörde interessieren, wenden Sie sich bitte an:
Oberlandesgericht Celle, Schloßplatz 2, 29221 Celle, Telefon: 05141 2060
Oberlandesgericht Oldenburg, Richard-Wagner-Platz 1, 26135 Oldenburg, Telefon: 0441 2200
Niedersächsisches Oberverwaltungsgericht, Uelzener Straße 40, 21335 Lüneburg, Telefon: 04131 7180
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Siemensstraße 10, 30173 Hannover, Telefon: 0511 807080
Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Georg-Wilhelm-Straße 1, 29223 Celle, Telefon: 05141 9620
oder
Niedersächsisches Finanzgericht, Hermann-Guthe-Str. 3, 30519 Hannover, Telefon: 0511 84080.

 

v. li. Frau Hackenberg, Herr David, Frau Hager, Herr Kiuntke

Weitere Informationen über freie Stellen und Ausbildungsplatzangebote beim Land Niedersachsen finden Sie hier:

Hier finden Sie zum Download:

Formular Mehrfachbewerbungen

 Formblatt Mehrfachbewerberblatt bei Gerichten im Land Niedersachsen
(PDF, 0,07 MB)

Einen Film zum Ausbildungsberuf des Justizfachwirt(in) finden Sie

 hier

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